Weltumseglung-Der Fiskus segelt mit

Nicht wenige Segler, die auf Langfahrt gehen, sind davon überzeugt, dass mit dem Loswerfen der Leinen auch die Kündigung beim deutschen Fiskus verbunden ist. Ist das gerechtfertigt?

Das deutsche Steuerrecht unterscheidet grundsätzlich zwischen unbeschränkter und beschränkter Steuerpflicht. Unbeschränkt steuerpflichtig ist der, der seinen Wohnsitz im Inland hat. Im Ergebnis ist das der Fall, wenn er eine Wohnung hat, die über eine Kochgelegenheit und sanitäre Anlagen verfügt. Wohnwagen oder Wohnmobil zählen nicht dazu, eine Segel- oder Motoryacht auch nicht. Beschränkt steuerpflichtig ist derjenige, der keinen Wohnsitz im Inland hat und auch nicht seinen gewöhnlichen Aufenthalt, der aber bestimmte inländische Einkünfte hat. Nach allgemeinem Sprachgebrauch lässt der Begriff „beschränkte“ Steuerpflicht darauf schließen, dass die Steuerpflicht eingeschränkt, eben beschränkt ist, mit der Folge einer niedrigeren Steuerbelastung. Dem ist nicht so, denn beschränkt Steuerpflichtigen ist der Splitting-Tarif versagt und der Sonderausgabenabzug eingeschränkt; außerdem haben Steuerabzugsbeträge endgültigen Charakter. In aller Regel kann man sagen, dass beschränkte Steuerpflicht bei gleichen Einnahmen zu einer höheren Steuerbelastung führt.

Gehen wir von folgendem Sachverhalt aus:

Ein Ehepaar wohnt im eigenen (Einfamilien-) Haus mit Einliegerwohnung und hat während des Berufslebens noch zwei Immobilien erworben, die fremd vermietet sind. Beide beziehen noch Renteneinkünfte. Für die geplante Weltumsegelung wird auch das derzeit noch für eigene Wohnzwecke genutzte Haus vermietet. Lediglich die Einliegerwohnung wird zurückbehalten, um bei Unterbrechungen der Weltumsegelung nicht im Hotel wohnen zu müssen.

Nach der Systematik des deutschen Steuerrechts behält das Ehepaar auch nach dem Loswerfen der Leinen und dem Verlassen des „Küstenmeeres“, d.h. der hoheitlichen Grenzen im Sinne des „Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen“ (SRÜ), die unbeschränkte Steuerpflicht, weil das Paar nach wie vor einen „Wohnsitz“ im Inland hat. Nach der Definition des Abgabenordnung hat jemand dort ein Wohnsitz, „ … wo er eine Wohnung unter Umständen innehat, die darauf schließen lassen, dass er die Wohnung beibehalten und benutzen wird.“

Das hat zur Folge, dass die erzielten Einkünfte jährlich erklärt werden und versteuert werden müssen. Das Ehepaar muss jährlich eine Einkommensteuererklärung erstellen und beim örtlich zuständigen Finanzamt (Wohnsitzfinanzamt) abgeben.

Sollten die Einkünfte des Ehepaares nach Abzug der Sonderausgaben den sog. „Grundfreibetrag“ nicht übersteigen, kommt es trotz unbeschränkter Steuerpflicht nicht zu einer Steuerzahlung. Der „Grundfreibetrag“ beträgt nach dem Rechtstand ab dem Veranlagungszeitraum 2014 EUR 8.354 für Alleinstehende und EUR 16.708 für Ehepaare, die nicht dauernd getrennt leben. In einem solchen Fall kann beim Wohnsitzfinanzamt grundsätzlich die Löschung der Steuernummer beantragt werden. Das hat zur Folge, dass sich das Paar seinen steuerlichen  Pflichten im Inland entledigt, so zu sagen eine „Kündigung beim Deutschen Fiskus“.

Übersteigen jedoch die Einkünfte des Ehepaares nach Abzug der Sonderausgaben den Grundfreibetrag, dann wird das Einkommen nach dem sog. „Splittingtarif“ für Ehepaare, die nicht dauernd getrennt leben, versteuert, nicht nach der „Grundtabelle“, die für Alleinstehende und dauernd getrennt lebende Ehepaare anzuwenden ist.

Sofern das Weltumsegler-Paar keinen Wohnsitz mehr im Inland hat , sind sie mit ihren inländischen Einkünften beschränkt einkommensteuerpflichtig. Vom Wortlaut „beschränkt“ mag man nun denken, dass die Steuerbelastung geringer sein könnte, als bei unbeschränkter Einkommensteuerpflicht. Diese generelle Aussage lässt sich so nicht bestätigen.

Die Vorschriften zur beschränkten Steuerpflicht sehen vor, dass beschränkt Steuerpflichtigen u.a. der günstigere „Splittingtarif“ nicht zu gewähren ist, dass sich der Grundfreibetrag auf EUR 8.354 reduziert und dass ihnen kein Sonderausgabenabzug gewährt wird. Im Ergebnis ist vereinfachend festzuhalten, dass es bei beschränkter Steuerpflicht schon bei deutlich niedrigeren Beträgen zu Steuerzahlungen kommt, als bei unbeschränkter Steuerpflicht; darüber hinaus ist die Steuerbelastung für Ehepaare höher, da zur Berechnung der Einkommensteuer die „Grundtabelle“ angewendet wird, nicht die „Splittingtabelle“.

Der vorgestellte einfache Sachverhalt und die daraus abgeleiteten steuerlichen Folgen, lassen es jedem Langfahrer dringend geraten erscheinen, sich vor Fahrtantritt eingehend beraten zu lassen. Dies nicht nur vor dem Hintergrund der Reduzierung der Steuerlast durch geeignete Sachverhaltsgestaltung, sondern auch und insbesondere im Hinblick auf die steuerrechtlichen Strafvorschriften.

Ein anderer steuerlicher und zivilrechtlicher Aspekt ist ebenfalls vor Antritt der Langfahrt dringend zu bedenken und zu gestalten, nämlich die Frage, was passiert, wenn aus der geplanten Weltumsegelung die „Letzte Reise“ wird. Die Gestaltung von Erbfolgeregelungen ist schon unter „normalen“ Umständen eine ausgesprochen sensible Angelegenheit, wie dann erst in der Euphorie vor Antritt der Weltumsegelung.


Unser Beratungsangebot für Langfahrtsegler:

  • Bestandsaufnahme

Im Rahmen eines persönlichen Gespräches werden wir Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse, Ihre Wohnsituation sowie die geplanten Fahrtdauer, die Rückflugmöglichkeiten, Ihr Budget und eventuelle Hinzuverdienstmöglichkeiten aufnehmen.

  • Analyse und Darstellung der steuerlichen Rechtsfolgen/Gestaltungsmöglichkeiten

Auf der Grundlage Ergebnisse der Bestandsaufnahme erfolgt dann die Analyse und Darstellung der steuerlichen Rechtsfolgen für Einkommensteuer, Umsatzsteuer, Erbschaft- und Schenkungsteuer.

  • Gestaltungsmöglichkeiten und Handlungsempfehlungen

Ziel unserer Beratung ist es, die für Sie und Ihre Langfahrt steueroptimal Gestaltung zu erarbeiten. Dabei werden Ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse ebenso berücksichtigt, wie Ihre Wohnsituation und die voraussichtliche Dauer der Reise und die Rückflugmöglichkeiten. Ergänzend dazu sind die Erklärungsfristen zu berücksichtigen und daran die Termine und die Dauer der Rückflüge auszurichten.

  • Zusammenfassung der Ergebnisse

Als „Leitfaden“ erhalten Sie als Zusammenfassung der Ergebnisse eine ausführliche schriftliche Stellungnahme mit einer detaillierten und mit Ihnen abgestimmten „to do-Liste“.

Kontaktdaten

Jochen H. Knapp
Steuerberater-Wirtschaftsprüfer

Wehrdaer Straße 120
D-35041 Marburg

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Fax: + 49 6421 8866-729

e-Mail: kanzlei@steuerberater-knapp.de