Unternehmensnachfolge

Gerade bei handwerklichen Unternehmen, aber auch bei allen anderen mittelständischen Unternehmen, stellt die Übergabe des Unternehmens an den Nachfolger, sei es als Verkauf oder im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge,  ein ganz bedeutendes Ereignis für den Unternehmer dar. Sein Lebenswerk soll angemessen fortgeführt werden, und ein Veräußerungserlös soll sicher und steuersparend vereinnahmt werden können, um so zur Versorgung im Ruhestand beizutragen.  

Die Unternehmensnachfolge ist eine vielschichtige und komplexe Thematik, die sich nicht in der steuerlichen Beratung erschöpft, sondern bei der insbesondere betriebswirtschaftliche und vor allem auch rechtliche Aspekte hinreichend berücksichtigt werden müssen. Dabei ist es stets von Vorteil, wenn diese Thematik frühzeitig besprochen wird.

Im Rahmen Ihres Projektes „Unternehmensnachfolge“ müssen neben den Bereichen "Altersversorgung des Übergebers", "betriebliche Unternehmensnachfolge" und "private Vermögensnachfolge" insbesondere nachfolgend aufgeführte Teilaspekte hinreichend gewürdigt werden:

Ermittlung eines Unternehmenswertes

Zentraler Ausgangspunkt für die Planung und Gestaltung der Unternehmensnachfolge, sofern sie nicht innerhalb der Familie erfolgt, ist die Ermittlung eines Unternehmenswertes bzw. einer entsprechenden Bandbreite. Hierbei müssen die Vorstellungen des Verkäufers und die Vorstellungen des Käufers bzw. die Grenzen der Finanzierungsmöglichkeiten Beachtung finden. In diesem Zusammenhang ist der auf der Grundlage spezieller Methoden des Handwerks (z. B. dem „AWH-Standard“) ermittelten Unternehmenswert mit der Kaufpreisvorstellung des Verkäufers einerseits, und andererseits mit der Finanzierungsmöglichkeit des Kaufpreises zu plausibilisieren, damit die Vorstellungen beider Vertragspartner auf einer realistischen und fundierten Grundlage in Einklang gebracht werden können.

Das gleiche gilt bei einer Unternehmensbewertung nach der sog. „Wirtschaftsprüfer-Methode“, der „Discounted Cashflow-“ bzw. „Ertragswertmethode.


Bilanzpolitik

Zur Vorbereitung der Unternehmensbewertung kommt der Bilanzpolitik eine wesentliche Rolle zu – die Braut muss geschmückt werden.

Das genutzte Anlagevermögen ist mit dem buchhalterisch geführten Inventar des Anlagevermögens abzustimmen. Im Rahmen dieser Abstimmung ist insbesondere darauf zu achten, dass Wirtschaftsgüter des Privatvermögens und Wirtschaftsgüter des Betriebsvermögens klar und eindeutig getrennt und nur Gegenstände des Betriebsvermögens in dem Anlageninventar erfasst sind.

In diesem Zusammenhang ist auch zu überlegen, welche Wirtschaftsgüter vor dem Verkauf des Unternehmens in das Privatvermögen entnommen werden sollen (z. B. Teile der Büroausstattung, PKW).

Im Bereich des Vorratsvermögens ist zu überlegen, ob die gewählten Bewertungsmethoden für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe und vor allem für unfertige Leistungen ggf. überprüft und umgestellt werden müssen.

Im Bereich der betrieblichen Verbindlichkeiten ist zu entscheiden, welche Verbindlichkeiten der Übernehmer als Kaufpreisbestandteil übernimmt, bzw. welche Verbindlichkeiten zum Zeitpunkt der Übergabe noch zu tilgen sind.


Vorschläge zur Gestaltung der Kaufpreiszahlung

Unsere letzten Besprechungen haben wohl eindeutig gezeigt, dass eine Stundung des Kaufpreises über einen Zeitraum von 20 Jahren Ihnen das gesamte Kaufpreisrisiko aufbürdet. Diese Konstellation ist unbedingt zu vermeiden, zumal es Gestaltungsmöglichkeiten gibt, um Ihr Risiko möglichst gering zu halten.


Vorschläge zur Finanzierung des Kaufpreises

Das Interesse des Verkäufers dürfte wohl darin liegen, den Kaufpreis als Einmahlzahlung zu vereinnahmen. Daneben bestehet auch die Möglichkeit der Ratenzahlung und der Verrentung. Zur Finanzierung von Unternehmensübernahmen gibt es spezielle Programme der Förderbanken, die in aller Regel günstigere Konditionen bieten als die Geschäftsbanken. Darüber hinaus übernimmt z.B. die Bürgschaftsbank Hessen Bürgschaften für Unternehmensgründer.


Rechtliche Aspekte

Im Rahmen des Unternehmensverkaufs kommt der Gestaltung des Kaufvertrags besondere Bedeutung zu. Im Rahmen des Kaufvertrags sind nicht nur Regelungen zum Kaufgegenstand und zum Kaufpreis und dessen Fälligkeit zu treffen, sondern insbesondere auch Regelungen zum Übergang des Eigentums, zu den Arbeitnehmern, zur Abrechnung des Kaufpreises, zur Haftung von Verkäufer und Käufer und schließlich zum Verfahren der Abwicklung des Unternehmensverkaufs.

Diesbezüglich ist dringend zu empfehlen, den Kaufvertrag von einem sachkundigen Juristen gestalten zu lassen. Nach meiner Kenntnis gehört zum Betriebsvermögen kein Grundstück, sodass es einer notariellen Beurkundung des Kaufvertrages nicht bedarf.
Sofern Sie keinen Rechtsanwalt kennen, der das Thema sach- und fachkundig bearbeiten kann, kann ich Ihnen gerne einen Rechtsanwalt zur Gestaltung des Kaufvertrages benennen.


Steuerliche Gestaltung

Die steuerliche Gestaltung setzt an der Bestimmung des Zeitwertes der Veräußerung an (31. Dezember oder 1. Januar). Danach richtet sich die Belastung durch Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Darüber hinaus ist für die Steuerbelastung die Ausnutzung der Freibeträge und des ermäßigten Steuersatzes maßgebend. Schließlich ist zu berücksichtigen, dass nach der Betriebsübergabe ggf. noch eine Gewerbesteuernachzahlung zu leisten sein wird.

Als Ihr steuerlicher Berater biete ich Ihnen gerne die fachliche Beratung im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge an. Ich erstelle Ihnen eine schriftliche Stellungnahme zu den zuvor angesprochenen Teilaspekten einschließlich einer Ermittlung des Unternehmenswertes. Damit wäre der gesamte Vorgang in Abstimmung mit Ihnen geplant und meine Stellungnahme könnte als Ablaufschema und als Besprechungsgrundlage für die Verhandlungen mit dem potenziellen Erwerber dienen.

Kontaktdaten

Jochen H. Knapp
Steuerberater-Wirtschaftsprüfer

Wehrdaer Straße 120
D-35041 Marburg

Fon: + 49 6421 8866-70

Fax: + 49 6421 8866-729

e-Mail: kanzlei@steuerberater-knapp.de